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Krank im Urlaub… Jedem 5. Deutsche:n geht’s so – dir auch?

Patricia Zinnecker
07.09.26

Du hast im Urlaub endlich frei – und wirst krank? Das steckt hinter Leisure Sickness

Du hast monatelang funktioniert. Deadlines geschafft. Meetings geführt. Familie organisiert. Sport gemacht. Nebenbei noch das Leben am Laufen gehalten.

Dann beginnt der Urlaub – und plötzlich: Fieber, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Magen-Darm-Beschwerden oder ein Gefühl, als hätte dich eine Grippe erwischt.

Zufall? Nicht unbedingt.

Für dieses Muster gibt es den Begriff Leisure Sickness, auf Deutsch häufig Freizeitkrankheit genannt. Es ist kein eigenes Krankheitsbild und keine medizinische Diagnose, sondern ein beschriebenes psychologisches Phänomen: Beschwerden treten gerade dann auf, wenn die Anspannung nachlässt.

Warum passiert das ausgerechnet dann, wenn du frei hast?

Menschen, die dauerhaft unter hohem Druck stehen, können Warnsignale während der Arbeitsphase erstaunlich lange übergehen. Der Kopf sagt: „Nur noch dieses Projekt. Noch dieses Gespräch. Noch schnell die E-Mail.“

Wenn die äußeren Anforderungen wegfallen, wird spürbar, was vorher im Hintergrund gelaufen ist: Müdigkeit, Erschöpfung, Anspannung oder andere Beschwerden.

In der Podcast-Folge wird genau dieses Wechselspiel beschrieben: Unter Stress bleiben Warnsignale eher im Hintergrund; in Ruhephasen können sie wieder deutlich wahrgenommen werden.

Das Problem ist nicht dein Urlaub. Das Problem ist dein fehlender Übergang.

Viele leistungsorientierte Menschen können hervorragend anspannen. Sie können aber nicht automatisch genauso gut entspannen.

Das ist kein Charakterfehler. Unser Körper schaltet nicht wie ein Lichtschalter von „Vollgas“ auf „Erholung“. Gerade wenn du über Wochen oder Monate auf hohem Niveau funktioniert hast, braucht dein System einen Übergang.

Unser Körper ist eher ein großer Öltanker als ein Auto. Er braucht Zeit, um die Richtung zu ändern.

Wer besonders gefährdet sein kann

Leisure Sickness kann gerade für Menschen interessant sein, die sich selbst viel abverlangen: perfektionistisch, leistungsorientiert, ambitioniert und häufig mit hohem innerem Anspruch.

Der entscheidende Punkt ist nicht: „Wie viel arbeite ich?“ Sondern: Wie gut gelingt es mir, Belastung wieder loszulassen?

Genau dieser Umgang mit beruflichen Herausforderungen und Belastung wird auch in der zugrunde liegenden Folge als wichtiger Faktor beschrieben.

5 Dinge, die du ab heute anders machen kannst

1. Warte nicht auf den Urlaub, um dich zu erholen

Wenn dein Körper sechs Wochen lang auf Reserve läuft und du ihm dann zwei Wochen Urlaub gibst, ist das kein nachhaltiges Stress-Management. Erholung braucht kleinere Zwischenstopps.

Frag dich deshalb: Wo kann ich heute zehn Minuten aussteigen, statt erst in drei Monaten zwei Wochen Urlaub zu brauchen?

2. Baue einen echten Feierabend ein

Nicht nur Laptop zu. Sondern mental raus aus der Rolle.

Ein Spaziergang. Duschen. Sport. Musik. Ein Gespräch. Zehn Minuten ohne Input. Entscheidend ist nicht die Methode, sondern dass dein Gehirn ein Signal bekommt: Die Arbeitsphase ist vorbei.

3. Schütze deine Offline-Zeit

Wenn E-Mails, Messenger und Notifications permanent mitlaufen, bleibt ein Teil deiner Aufmerksamkeit im Bereitschaftsmodus.

Nimm dir Zeit in der Natur und Momente ohne ständige Erreichbarkeit. Das sind wichtige Erholungsbausteine.

4. Übe, nicht alles fertig zu machen

Das ist für viele Leistungsmenschen der härteste Punkt.

Vor einem Urlaub muss nicht alles perfekt sein. Auch wenn es deinen inneren Monk stört: Die Wohnung darf unperfekt sein. Eine E-Mail darf bis Montag warten. Eine Aufgabe darf bewusst nicht mehr erledigt werden.

Vor meiner letzten großen Reise blieb sogar die Wäsche liegen. Nicht schön für einen Perfektionsmenschen – aber genau diese Entscheidung schaffte Zeit.

Erholung beginnt oft dort, wo du aufhörst, alles fertig machen zu wollen.

5. Lerne deine persönlichen Warnsignale kennen

Nicht jede Erschöpfung ist gleich. Deshalb brauchst du kein Standardprogramm, das für alle funktioniert.

Achte auf deine persönlichen Signale: Schlafbedarf, Gereiztheit, Konzentration, körperliche Anspannung, Rückzug oder das Gefühl, ständig „noch schnell“ etwas erledigen zu müssen.

Die zentrale Frage lautet: Was versucht mein Körper mir gerade mitzuteilen?

Es geht nicht darum, möglichst viel tracken, sondern den eigenen Körper wieder zu spüren und seine Signale ernstzunehmen.

Und was hat das mit Burnoutprävention zu tun?

Eine Menge.

Burnoutprävention beginnt nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht. Sie beginnt viel früher: bei der Fähigkeit, Belastung wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und regelmäßig wieder in einen Erholungszustand zu kommen.

Das Ziel ist deshalb nicht, weniger ambitioniert zu sein. Das Ziel ist, deine Leistungsfähigkeit so zu steuern, dass sie langfristig tragfähig bleibt.

Genau darum geht es für mich im Stress-Management: nicht um ein Leben ohne Stress, sondern um einen besseren Umgang mit Anspannung und Erholung.

Du musst nicht weniger leisten. Du musst nur anders mit Leistung umgehen.

Karriere, Familie, Hobbys, Verantwortung und persönliche Ziele unter einen Hut zu bekommen, ist anspruchsvoll. Und ja: Du darfst ambitioniert sein.

Aber Ambition ohne Erholung wird irgendwann teuer.

Wenn du erst im Urlaub merkst, wie erschöpft du eigentlich bist, ist das kein Grund, auf Urlaub zu verzichten. Im Gegenteil: Es ist ein Hinweis, dass dein Alltag mehr echte Erholung braucht.

Die Lösung ist nicht, Urlaub zu streichen. Die Lösung ist, Erholung früher und regelmäßiger in dein Leben einzubauen.

Denn wer dauerhaft nur Anspannung trainiert, darf sich nicht wundern, wenn Entspannung irgendwann ungewohnt wird.

Eine Frage an dich

Kennst du das: Sobald du frei hast, wirst du müde, krank oder fühlst dich plötzlich komplett erschöpft?

Schreib mir in die Kommentare: Was passiert bei dir typischerweise am ersten Urlaubstag?

PS:

Ich spreche bei Unternehmen, Gesundheitstagen und Veranstaltungen über Stress, Selbstführung und Burnoutprävention – verständlich, praxisnah und mit echten Beispielen aus dem Arbeitsalltag.

Mir ist wichtig, dass ein Talk nicht nur informiert, sondern etwas auslöst: einen Aha-Moment, eine konkrete Entscheidung und idealerweise die Frage: Was ändere ich ab morgen?

Wenn du einen Talk für einen Gesundheitstag, ein Führungskräfte-Event oder einen internen Impuls suchst, halte ich gerne Vorträge, die Menschen erreichen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu arbeiten.

 


Du willst mehr dazu hören? Hier geht’s zur Episode (KOPFSACHE Nr. 179):

 


Über die Autorin

Patricia Zinnecker ist Sprachpsychologin, zertifizierte Stress-Managerin, geprüfte IHK Managerin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, ehemalige Burnout-Betroffene und heute Burnout-Coach. Sie hilft Firmen, Teams und Einzelpersonen leistungsfähig zu bleiben ohne auszubrennen: Mit Coachings, Vorträgen und Workshops rund um Burnout-Prävention und Selbstführung. Außerdem betreibt sie einen Podcast und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht.

 

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