Narzisst treibt dich in Burnout? Alles, was du wissen musst, um dich zu schützen
Ist dein Chef ein Narzisst? Was hinter dem Begriff steckt – und wie du dich schützt
Narzissmus ist gerade in vieler Munde. Und nicht ohne Grund. Narzissten können ihre Mitmenschen bis in den Burnout treiben. Hier erfährst du, wann du vorsichtig sein solltest: In diesem Artikel schauen wir uns ehrlich an, was dahintersteckt, wie du es erkennst – und was du tun kannst.
Meine Therapeutin hat damals einen Satz gesagt, der mich lange beschäftigt hat: „Narzissten sind Vergewaltiger der Seele“. Das ist hart. Ich weiß. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe – desto mehr trifft es. Denn wer über längere Zeit in einem Umfeld mit einer narzisstischen Führungsperson gearbeitet hat, weiß: Das hinterlässt Spuren. Tief. Genau deshalb ist Burnout-Prävention und ein Einblick in Persönlichkeitsstörungen so wichtig!
Ich habe die Erfahrung mit einem Narzissten selbst gemacht. Jahrelang. Und ich habe es bis zum bitteren Ende mitgemacht – was mich am Ende mit in den Burnout gezogen hat. Heute sehe ich das in meiner Coaching-Arbeit immer wieder. Deshalb dieser Artikel.
Was ist Narzissmus eigentlich?
Der Begriff kommt aus der griechischen Mythologie: Narkissos, der Jüngling, der sich in sein Spiegelbild verliebt. Seit Sigmund Freud ist er klinisch geprägt: übersteigerte Selbstliebe, die gefährlich wird – für das Umfeld.
Wichtig: Es gibt einen Unterschied zwischen narzisstischen Zügen (jemand ist egoistisch, selbstbezogen) und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Letztere kann nur ein Psychiater oder Psychotherapeut diagnostizieren. Trotzdem lohnt es sich, die Kriterien zu kennen.
Die 9 DSM-5-Kriterien – fünf müssen erfüllt sein
Das DSM-5 ist das diagnostische Standardwerk der Psychiatrie. Für eine narzisstische Persönlichkeitsstörung müssen mindestens fünf dieser neun Kriterien vorliegen:
- Grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit
- Starke Einnahme durch Fantasien von grenzenlosem Erfolg, Macht, Schönheit oder Genie
- Überzeugung, besonders und einzigartig zu sein
- Starkes Verlangen nach übermäßiger Bewunderung
- Unangemessenes Anspruchsdenken gegenüber anderen
- Ausbeuterisches Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen
- Eklatanter Mangel an Empathie
- Häufiger Neid – oder der Glaube, andere seien neidisch auf einen
- Arrogantes, hochnäsiges Verhalten
Das Gemeine: Narzissten können sehr charmant sein. Eloquent. Charismatisch. Man merkt es oft erst, wenn man länger dabei ist.
Zwei Varianten: Grandios oder vulnerabel
Grandiöser Narzissmus:
Dominant, selbstverliebt, auf Außenwirkung bedacht. Diese Person betritt einen Raum und möchte, dass alle es merken.
Vulnerabler Narzissmus:
Hypersensibel auf Kritik, passiv-aggressiv, manipulativ. Hier ist die Aggression verdeckt – was es schwieriger macht, sie zu erkennen.
Warum Führungspositionen Narzissten anziehen
Dominanz darf man dort ausleben. Kontrolle ist legitim. Macht kommt mit dem Titel. Für einen gesunden Menschen kann das gut gehen – mit Empathie und Verantwortungsawaremess. Für Narzissten ist es ein Spielfeld.
Und sie bevorzugen oft andere Narzissten um sich herum. Wer als gesunder Mensch mit Werten, Klarheit und Professionalität in so ein System kommt – hat es schwer. Denn die Regeln dort sind andere. Wer sachlich argumentiert, verliert. Wer eine Meinung hat, macht sich angreifbar.
Erkennst du jemanden aus deinem Umfeld?
Die Taktiken, die Narzissten einsetzen
Silent Treatment
Aktive Kommunikationsverweigerung. Du hast nichts falsch gemacht. Du kriegst trotzdem keine Antwort. Tage. Manchmal Wochen. Das Ziel: Dich so lange in der Luft hängen lassen, bis du anfingst, an dir selbst zu zweifeln. Das ist keine Pause. Das ist Machtdemonstration.
Gaslighting
Du wirst so oft verunsichert, bis du deine eigene Wahrnehmung in Frage stellst. Habe ich das wirklich so erlebt? Bilde ich mir das ein? War es vielleicht doch mein Fehler? Nein. Aber Narzissten sind sehr gut darin, diesen Zweifel zu säen.
Triangulation
Die Kollegin, der du seit Jahren vertraust? Plötzlich bist du misstrauisch ihr gegenüber. Und sie ist es dir. Dabei war die ganze Zeit jemand anderes am Werk – hat euch gegeneinander ausgespielt. Das ist Triangulation. Klassisch. Wirkt wie Gift.
Lovebombing
Erster Tag. Neues Team. Du bist das Beste, was dem Unternehmen passiert ist. Alles toll, alles Lob, alles warmherzig. Und dann – ohne Erklärung – ist es weg. Nicht schrittweise. Von heute auf morgen. Genau dann kannst du anfangen, dich zu fragen, was du falsch gemacht hast.
Die Opfer-Täter-Umkehr
Das ist das Fieseste. Ein Projekt läuft schief – und du weißt, dass du von Anfang an gesagt hättest, es würde schief laufen. Aber du hast geschwiegen, weil du bei offenem Widerspruch Ärger bekommen hättest. Und jetzt? Bist du schuld. Die Führungsperson ist das Opfer. Das ist kein Versehen. Das ist Methode.
Was passiert mit dem Team?
Keine psychologische Sicherheit mehr. Niemand traut sich, eine andere Meinung zu äußern. Alle nicken ab. Das gefährdet Entscheidungsqualität, schadet der Unternehmenskultur und treibt die guten Leute raus. Nicht laut. Nicht dramatisch. Sie gehen einfach.
Hohe Fluktuation, viele Neueinstellungen, immer wieder der gleiche Enthusiasmus am ersten Tag – und dann dasselbe Muster. Wenn du das beobachtest: Das ist kein Zufall.
Hier kann eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ein erster Schritt sein, um das sichtbar zu machen.
Kann Narzissmus geheilt werden?
Ehrliche Antwort: Nicht vollständig. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung gilt als nicht heilbar, da die Persönlichkeitsstruktur tief verankert ist. Mit langfristiger Psychotherapie können Betroffene schädliche Verhaltensmuster reduzieren – aber du als Kollege, Mitarbeiter oder Mitarbeiterin wirst das nicht erändern. Das ist keine Schwäche von dir. Das ist Realität.
Was du konkret tun kannst
Wenn du in einem Umfeld mit einem Narzissten arbeitest:
- Dokumentiere alles. Schriftlich. Mit Datum.
- Vertrau deiner Wahrnehmung – auch wenn du verunsichert wirst.
- Besprich die Situation mit jemandem außerhalb des Systems: Coach, Therapeutin, HR.
- Erwäge einen Job- oder Teamwechsel. Nicht als Niederlage – als schützende Entscheidung.
- Setz dir eine Frist. Wie viel Zeit gibst du dir noch, bevor du handelst?
Wenn du selbst führst:
- Frag dich ehrlich: Wie gehe ich mit Kritik um? Wie reagiere ich, wenn jemand nicht meiner Meinung ist?
- Hol dir Feedback – echtes, nicht gestütztes.
- Ein bisschen Ego führt Teams. Zu viel Ego zerstört sie.
Erkennst du dich oder jemanden aus deinem Team wieder? Dann ist das ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen. Nicht um jemanden zu verurteilen. Sondern um zu schützen, was aufgebaut wurde.
Über die Autorin
Patricia Zinnecker ist zertifizierte Stress-Managerin, geprüfte IHK Managerin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, ehemalige Burnout-Betroffene und heute Burnout-Coach. Sie hilft Firmen, Teams und Einzelpersonen leistungsfähig zu bleiben ohne auszubrennen: Mit Coachings, Vorträgen und Workshops rund um Burnout-Prävention und Selbstführung. Außerdem hat sie einen Podcast mit über 180 Episoden und bereits zwei Bücher veröffentlicht.
Viel Erfolg bei deiner nächsten Druck-Situation. Bereite dich vor und dann zeig, was du drauf hast!
Du willst mehr dazu hören? Hier geht’s zur Episode (KOPFSACHE Nr. 176):
Über die Autorin
Patricia Zinnecker ist Sprachpsychologin (M.A.) IHK-zertifizierte Stress-Managerin, geprüfte IHK Managerin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, ehemalige Burnout-Betroffene und heute Burnout-Coach. Sie hilft Firmen, Teams und Einzelpersonen leistungsfähig zu bleiben ohne auszubrennen: Mit Coachings, Vorträgen und Workshops rund um Burnout-Prävention und Selbstführung. Außerdem betreibt sie einen Podcast und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht.
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