Achtung, anbahnender Burnout! Wenn Leistungssucht zur Falle wird – und wie du da rauskommst
Du willst Vollgas geben – aber nicht ausbrennen. Du liebst Leistung – aber spürst, dass die Verbissenheit zunimmt. So ging es mir vor meinem Burnout (auch). Genau da setzt dieser Artikel an: mit 5 Glaubenssätzen, die High Performer kennen sollten und ggf. neu denken dürfen.
Ich hatte neulich ein Gespräch mit einem zukünftigen Klienten, der rechtzeitig die Notbremse gezogen hat. Er ist auf dem Weg in den Burnout gewesen. Was er mir erzählt hat, kannte ich Wort für Wort. Weil ich dort war. Weil es mir genauso gegangen ist.
Leistungssucht ist nicht dasselbe wie Ehrgeiz. Ehrgeiz ist der Motor. Leistungssucht ist, wenn der Motor auf Dauerbetrieb läuft und du vergessen hast, wie man abtankt.
1. Nicht alle Bälle müssen in der Luft sein
Stell dir vor, du jonglierst. Mit drei Bällen klappt es gut. Mit sieben wird es schwierig. Mit 17 ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dir einer – oder alle – runterfallen.
Die meisten High Performer jonglieren mit mehr Bällen, als sie selbst wahrnehmen. Business, Familie, Gesundheit, Freundschaften, Hobbys, soziale Verantwortung – und dann noch die stillen Verpflichtungen, die niemand sieht. Mach dir diese Liste. Schreib auf, was du gerade alles in der Luft hältst. Und dann frag dich ehrlich: Welche Bälle willst du eigentlich gar nicht jonglieren?
„Je mehr Bälle, desto höher die Gefahr. Das ist keine Schwäche – das ist Mathematik.“
2. Wieder etwas spüren dürfen
Eine der ersten Fragen, die mir meine Therapeutin gestellt hat, war: Was ist Ihr Ziel? Meine Antwort: Ich möchte wieder etwas fühlen können. Nicht nur Positives. Auch das Schwierige. Nur nicht diese Taubheit, in der alles gleich ist und nichts mehr wirklich ankommt.
Wer sich in der Leistungsspirale verliert, verliert oft zuerst den Zugang zu sich selbst. Zu dem, was einem wirklich wichtig ist. Was man wirklich will. Nicht was gerade auf Social Media gezeigt wird oder was die Nachbarschaft hat – sondern was man selbst, ohne all diese äußeren Impulse, wollen würde.
Das herauszufinden braucht Stille. Und Mut.
3. Nicht schwarz oder weiß denken
Ein häufiger Gedanke bei meinen Klientinnen und Klienten: „Wenn ich weniger arbeite, rutsche ich ab.“ Oder: „Wenn ich nicht alles gebe, verliere ich den Anschluss.“ Das ist Schwarz-Weiß-Denken. Und es ist eine der größten Fallen für Menschen mit hohem Antrieb.
Die Realität ist: Zwischen Burnout und kompletter Unterlassung liegt ein weites Spektrum. Hellgrau, dunkelgrau, viele Farben. Es gibt einen Weg, der Leistung erlaubt und trotzdem gesund ist. Er sieht nur für jeden anders aus.
„Zoome dich raus. Stell dir vor, du bist die Deckenlampe und schaust von oben auf deine Situation. Was siehst du? Was würdest du einer Freundin raten, die dir das erzählt?“
Diese Perspektive von außen – der sogenannte Deckenlampen-Effekt – hilft dir, aus dem unmittelbaren Druck rauszutreten und klarer zu sehen, welche Optionen wirklich da sind.
4. Ziele validieren – sind das wirklich deine?
Ich erinnere mich an eine Klientin, die jahrelang auf einen bestimmten Sportwagen hingearbeitet hat. Als wir tiefer geschaut haben, stellte sich heraus: Autos interessierten sie nicht wirklich. Das Ziel war übernommen worden – aus dem Umfeld, von Social Media, aus einem diffusen Gefühl, dass das dazugehört.
Frag dich: Was hättest du vor zehn Jahren gewollt? Passt das, was du heute anstrebst, wirklich zu dir – oder rennst du gerade jemandem nach, der du gar nicht sein willst? Weiterentwicklung ist gut. Aber wenn die Veränderung so radikal ist, dass selbst dein Umfeld dich nicht mehr erkennt, lohnt es sich innezuhalten.
Das ist kein Aufruf, Ziele kleiner zu stecken. Es ist ein Aufruf, sie zu überprüfen. Was ist wirklich deins?
5. Hilfe zulassen – frühzeitig
Das war meine größte Lektion. Ich war so tief im Tunnel, dass ich Hilfe weder annehmen noch wirklich aufnehmen konnte. Heute sage ich: Hilfe anzunehmen ist nicht schwach. Es ist eine der klarsten Entscheidungen, die du treffen kannst.
Mein Lieblingszitat aus meinem Buch: „Wenn ich mein Leben nochmal leben würde, würde ich alle Fehler nochmal machen – nur ein bisschen früher, damit ich mehr davon hätte.“ Ich hätte mir gewünscht, früher hinzuhören. Früher anzunehmen. Früher zu handeln.
„Du musst nicht bis zum Zusammenbruch warten. Du darfst jetzt handeln. Und du darfst es leicht haben.“
Leistung und Leichtigkeit schließen sich nicht aus. Ich arbeite heute manchmal genauso viel wie vor meinem Burnout. Aber mit einer Freude, einer Lockerheit und einem Bewusstsein dafür, wie ich auftanke. Das ist der Unterschied.
Wenn du merkst, dass diese Glaubenssätze in dir mitschwingen: Schreib es auf, sprich mit jemandem, hol dir Unterstützung. Nicht weil du musst. Sondern weil du es dir wert bist.
Du willst mehr dazu hören? Hier geht’s zur Episode (KOPFSACHE Nr. 169):
Über die Autorin
Patricia Zinnecker ist zertifizierte Stress-Managerin, geprüfte IHK Managerin für Betriebliches Gesundheitsmanagement, ehemalige Burnout-Betroffene und heute Burnout-Coach. Sie hilft High Performern und Führungskräften leistungsfähig zu bleiben ohne auszubrennen: Mit Coaching, Vorträgen und Workshops rund um Burnout-Prävention und Selbstführung. Außerdem betreibt sie einen Podcast und hat bereits zwei Bücher veröffentlicht.
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